Kunstkreis Neuburg an der Donau e.V.

Über den Tellerrand

Hier finden Sie Hinweise über sehenswerte Ausstellungen anderer regionaler / überregionales Organisationen.
 
Nennt mich Rembrandt!
Aufbruch in Amsterdam.
Im Städel
Frankfurt 
Di - So 10 - 18 Uhr
Do 10 - 21 Uhr
Bis 30. Januar 2022
 
Die FAZ vom 06.10.21, Nr. 232, S. 11 stellt im Untertitel die Frage "Was konnte er, das andere nicht konnten? ... " und schreibt:
 
"An Rembrandt-Ausstellungen fehlte es in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. Im Umfeld seines 350. Todestages im Jahr 2019 wartete nicht nur Amsterdam mit einer riesigen Retrospektive auf. Muss nun noch eine Schau in Frankfurt wirklich sein? Die Ausstellung im Städel aber setzt viel früher und anders an als die bisherigen: Wie wurde der 1606 in Leiden geborene Rembrandt Harmenszoonvan Rijn jenes Künstler-Unikum, das ab 1633 ungewöhnlicherweise nur noch mit dem Vornamen firmierte? Wie also entwickelte er sich zu diesem unverkennbaren Markenzeichen, neudeutsch 'Branding'? ...
 
Was Rembrandt dabei von heutigen Krawallbrüdern des Brandings wie Jeff Koons oder Damien Hirst unterscheidet, ist in erster Linie die Liebe: Mit unbedingter Hingabe schildert und umschmeichelt er etwa die Frauen in seinen Bildern derart glaubwürdig, dass die paritätisch beim Kauf mitentscheidenden Amsterdamerinnen der Oberschicht ... eine treibende Kraft der Bildverkäufe werden. All die starken und von Rembrandt nicht als Hexen diffamierten Delilas (in der grandiosen Frankfurter 'Blendung Simsons' mit echtem Entsetzen), die immer wieder in verschiedensten Bildstoffen eingesetzten Gesichter seiner Partnerinnen Saskia von Uylenburgh und Hendrickje Stoffels, erst recht die zahlreichen Rebeccas, Saras (das intime 'Sara/Hendickje erwartet Tobias' aus Edinburghs Nationalgalerie), Judiths und Rahels, sie finden regste Nachfrage, weil sie vertraute Gesichter echter Frauen sind.
Eine ebenso große Passion hegt Rembrandt bekanntlich für Stoffe und Gewänder, die er mit verwehenden Konturen und Binnenlinien in ineinanderfließenden Farben schwärmerisch auf die Leinwand wirft. ...
 
Aber auch Rembrandts offenbar von Beginn an großes Selbstbewusstsein und seine Exzentrik waren in den von der Schau untersuchten ersten fünfundzwanzig Jahren karriereförderlich. ... dieser Künstler portaitiert sich ständig selbst und schlüpft dafür in die seltsamsten Kostüme. Die oft schmerzliche Selbstbefragung ist die Klammer der Schau: Schon 1631 entsteht das 'Selbstbildnis in orientalischem Kostüm', für das er, etwas pummelig, doch mit stolzgeschwellter Brust, wie ein Pascha vor dem Spiegel posiert. Eines der letzten Bilder im Städel, 'Stillleben mit Pfauen' von 1639, zeigt ihn wohl auch. Ein Mädchen schaut aus dem Hintergrund auf einen verblutenden und einen kopfüber herabhängenden Pfau. Alle Schönheit stirbt. Bei Rembrandt aber hat sie zuvor gelebt."
 
 
 
 
Paula Modersohn-Becker.
Schirn
Frankfurt
Di, Fr - So 10 - 19 Uhr
Mi u. Do 10 bis 22 Uhr
Bis 6. Februar 2022
 
"Früh verstorben, doch zeitlos zukünftig: Die Frankfurter Schirn zeigt die Avantgarde der Malerin Paula Modersohn-Becker" (Untertitel der FAZ vom 08.10.21, Nr. 234, S. 14)
In der Besprechung schreibt der Kritiker:
 
"Die umfassendsten und besten Künstler-Ausstellungen kann man oft an der Lakonie ihrer Titel erkennen: 'Paula Modersohn-Becker' heißt die .... Schau in der Frankfurter Schirn bündig und umfasst doch mit hundertsechzehn gemalten und grafischen Werken nahezu alle Höhepunkte ihres OEuvres. Zwar ist die Vita der 1907 mit nur einunddreißig Jahren an einer Embolie verstorbenen Malerin rasch erzählt - ein Pendeln zwischen Paris und der hassgeliebten Künstlerkolonie Worpswede -, für ihr Nachleben und die Folgen ihrer Kunst für die Moderne sollte man sich umso mehr Zeit nehmen, um die neue Ästhetik der auf kräftige Farben gehängten Gemälde zu genießen. ...
Komplett am Kunstmarkt ihrer Zeit vorbeimalend, gelangt sie zu einer individuellen Moderne, die zwar zu Lebzeiten kaum wahrgenommen, nach ihrem Tod aber umso mehr bewundert wurde. Selbst rechtzeitig gekommener Ruhm hätte sie vermutlich kaum interessiert.
Eine Hauptvertreterin der Avantgarde aber ist sie schon deshalb, weil sie wie jede gute futuristische Bewegung weit zurück in die Kulturschatzkiste greift: Malewitsch entwickelt - acht Jahre nach ihrem Tod - sein ins Eck gehängtes Schwarzes Quadrat aus semi-abstrakten Ikonen, Duchamp sein 'Großes Glas' aus dem mittelalterlichen Reliquienkult - und Modersohn-Becker etliche Alleinstellungsmerkmale ihrer Bildnisse aus modernen Interpretationen der Akte Cranachs, Tizians oder Holbeins, insbesondere aber aus den zweitausend Jahre alten Fayyum-Portaits des alten Ägyptens. ...
 
'Brustbild eines Mädchens in der Sonne vor weiter Landschaft' von 1897 ist kunsthistorisch außer an Edward Munch an gar nichts anzubinden. Wie sie zu dieser Zeit, drei Jahre vor der Jahrhundertwende, auf die Idee kam, den Kopf eines  verloren stehenden Mädchens, deren stark überblendetes blondes Haar malerisch in den Rest des Gesichtes verläuft, wie eine Supernova vor grellem Licht bersten zu lassen, bleibt schleierhaft. 
Auch ihre Frauenakte, teils annähernd lebensgroß, sprengen die gesellschaftlichen und künstlerischen Konventionen ihrer Zeit. Mit 'Liegende Mutter mit Kind' von 1906 allerdings erfindet sie eine völlig neue Ikonographie der Innigkeit für die Kunst, die Lucian Freud ein halbes Jahrhundert später begeistert aufgreifen sollte. ..."
 
 

Die Gogotten und Judith Milberg
Eine Seelenverwandtschaft
Dinosaurier Museum Altmühltal
im Dino-Park Denkendorf
Tagl. 9 bis 18 uhr
Bis 7. November
www.dinopark-bayern.de

Unter der Überschrift "Rätselhafte, sensationelle Urformen" schreibt der Donaukurier (02.09.2021):
"... Judith Milberg, die sich für die Entstehungsprozesse der Welt begeistert, schafft in ihren Arbeiten organische Formen, malerische Überschneidungen, die in der Zweidimensionalität des Malgrunds an Räumlichjkeit gewinnen und ebenso wie die sogenannten Konkretionen aus Frankreich die Fantasie anregen. Michael John Gorman, Gründungsdirektor des Biotopia Naturkundemuseums Bayern, erklärte anlässlich der Vernissage: 'Zu oft sind Wissenschaft und Kunst getrennt. Hier kommen beide zusammen. Aus Kontrasten entstehen so neue Perspektiven und Visionen.' "